Barrierefreie Website: Was Unternehmen jetzt dringend tun müssen
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit Juni 2025 – und die Kontrollen laufen. Abmahnungen nehmen zu, Bußgelder drohen. Erfahre, was du als Unternehmer in Rheinland-Pfalz jetzt tun solltest, um deine Website rechtskonform zu machen.

Max Höwelberend
8 Minuten
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Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist seit dem 28. Juni 2025 in Kraft – und die Schonfrist ist vorbei. Seit Anfang 2026 kontrollieren die Marktüberwachungsbehörden aktiv, ob Websites und digitale Angebote barrierefrei sind. Die Zahl der Abmahnungen ist seit Ende 2025 deutlich gestiegen. Für viele Unternehmen in Rheinland-Pfalz heißt das: Jetzt handeln, bevor es teuer wird. In diesem Beitrag erfährst du, was Barrierefreiheit konkret bedeutet und welche Schritte du sofort einleiten solltest.
Was bedeutet Barrierefreiheit im Web eigentlich?
Barrierefreiheit im Web heißt: Jeder Mensch kann deine Website nutzen – unabhängig von körperlichen oder technischen Einschränkungen. Das betrifft Menschen mit Sehbehinderungen, Hörproblemen, motorischen Einschränkungen oder auch ältere Nutzer mit wenig Technikerfahrung.
Konkret geht es um Dinge wie ausreichende Farbkontraste, lesbare Schriftgrößen und eine klare Navigation. Auch die Bedienung per Tastatur ohne Maus gehört dazu. Screenreader – also Vorlese-Software für blinde Menschen – müssen deine Inhalte verstehen können.
Der internationale Standard dafür heißt WCAG 2.2 (Web Content Accessibility Guidelines). Die Stufe AA gilt als Mindestanforderung und wird auch vom deutschen Gesetz gefordert. Diese Richtlinien sind kein starres Regelwerk, sondern ein praktischer Leitfaden für bessere Websites.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz – aktueller Stand 2026
Das BFSG setzt die EU-Richtlinie „European Accessibility Act" um und gilt seit dem 28. Juni 2025. Es betrifft vor allem Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen online verkaufen. Dazu zählen Onlineshops, Buchungsportale, digitale Dienstleistungen, Bankdienstleistungen und Telekommunikationsangebote.
Wer ist betroffen?
Das Gesetz gilt für alle Unternehmen, die einen Onlineshop betreiben, Dienstleistungen online buchbar machen, digitale Produkte wie E-Books oder Software verkaufen oder Bank- und Telekommunikationsdienste anbieten. Ausgenommen sind Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und unter 2 Millionen Euro Jahresumsatz – allerdings nur bei Dienstleistungen. Wer Produkte verkauft, für den gelten die Regeln trotzdem.
Die aktuelle Entwicklung zeigt: Seit Ende Dezember 2025 verzeichnen Rechtsexperten einen deutlichen Anstieg an Abmahnungen. Verbraucherschutzverbände und spezialisierte Kanzleien durchsuchen gezielt Websites auf Verstöße. Im Laufe des Jahres 2026 werden die ersten Gerichtsurteile zur Auslegung des BFSG erwartet. Die Strategie des Abwartens ist damit endgültig keine Option mehr.
Die vier Grundprinzipien barrierefreier Gestaltung
Die WCAG basiert auf vier Grundprinzipien, die sich leicht merken lassen. Sie bilden das Fundament für jede barrierefreie Website.
Wahrnehmbar
Alle Inhalte müssen für jeden wahrnehmbar sein. Bilder brauchen Alternativtexte, die beschreiben, was darauf zu sehen ist. Videos benötigen Untertitel. Texte müssen einen ausreichenden Kontrast zum Hintergrund haben – mindestens ein Verhältnis von 4,5:1 bei normalem Text.
Bedienbar
Die gesamte Website muss per Tastatur bedienbar sein. Links und Buttons brauchen einen sichtbaren Fokus-Indikator. Die Navigation sollte konsistent und vorhersehbar sein. Nutzer brauchen genug Zeit, um Inhalte zu lesen und Formulare auszufüllen.
Verständlich
Texte sollten klar und einfach formuliert sein. Fachbegriffe werden erklärt. Die Seitenstruktur folgt einer logischen Reihenfolge. Fehlermeldungen in Formularen sind hilfreich und zeigen, wie der Fehler behoben werden kann.
Robust
Der Code deiner Website muss sauber und standardkonform sein. Nur so können assistive Technologien wie Screenreader die Inhalte korrekt interpretieren. Das bedeutet: valides HTML, korrekte Überschriften-Hierarchie und sinnvolle Auszeichnung von Elementen.
Das unterschätzte Problem – PDF-Dokumente und Altlasten
Eine große Schwachstelle, die viele Unternehmen übersehen haben, sind herunterladbare Dokumente. Oft wurden die HTML-Webseiten aktualisiert, aber Tausende PDF-Dateien auf den Servern vergessen – von AGB über Produktanleitungen bis zu Antragsformularen.
Nach dem BFSG gelten diese Dateien als Teil der digitalen Dienstleistung und müssen ebenfalls barrierefrei sein. Die Marktüberwachungsbehörden haben diese Dokumente aktuell besonders im Fokus. Viele Unternehmen kämpfen derzeit mit dem Rückstau an Dateien, die zwischen Juni und Dezember 2025 hochgeladen wurden.
Sofortmaßnahmen für PDF-Dokumente
Du solltest jetzt eine Inventur aller PDF-Dateien auf deiner Website durchführen. Priorisiere dabei essenzielle Verbraucherinformationen wie Widerrufsformulare, AGB und Sicherheitshinweise – diese solltest du zuerst sanieren. Neue Dokumente erstellst du von vornherein barrierefrei. Ältere, wichtige Dokumente arbeitest du schrittweise auf. Rechtsexperten raten, hochfrequentierte Dokumente mit Priorität zu behandeln.
Praktische Maßnahmen für deine Website
Barrierefreiheit klingt komplex, lässt sich aber in überschaubare Schritte aufteilen. Die folgenden Maßnahmen sind die wichtigsten, die du umsetzen solltest.
Farben und Kontraste prüfen
Achte darauf, dass Text gut lesbar ist – auch für Menschen mit Farbschwäche. Nutze nicht nur Farbe, um Informationen zu vermitteln. Ein roter Fehlertext sollte zusätzlich ein Symbol oder eine klare Beschriftung haben. Der Mindestkontrast für normalen Text liegt bei 4,5:1, für großen Text bei 3:1.
Alternativtexte für Bilder
Jedes informative Bild braucht einen Alt-Text, der den Inhalt beschreibt. Der Text sollte kurz und prägnant sein und den Zweck des Bildes vermitteln. Dekorative Bilder können mit einem leeren Alt-Attribut versehen werden, damit Screenreader sie überspringen.
Überschriften richtig einsetzen
Überschriften strukturieren deine Inhalte. Sie sollten hierarchisch verwendet werden: H1 für den Haupttitel, H2 für Abschnitte, H3 für Unterabschnitte. Überspringe keine Ebenen – nach einer H2 kommt keine H4. So können Screenreader-Nutzer schnell durch die Seite navigieren.
Formulare zugänglich gestalten
Jedes Eingabefeld braucht ein zugeordnetes Label. Pflichtfelder sollten klar gekennzeichnet sein, und zwar nicht nur durch Farbe. Fehlermeldungen erscheinen direkt beim betroffenen Feld und erklären das Problem verständlich – etwa „Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein" statt nur „Fehler".
Links sinnvoll benennen
Vermeide Linktexte wie „hier klicken" oder „mehr". Stattdessen verwendest du beschreibende Texte wie „Unsere Leistungen ansehen" oder „Kontaktformular öffnen". So wissen Nutzer und Screenreader sofort, wohin der Link führt.
Die Konsequenzen – was bei Verstößen droht
Die Durchsetzungsphase hat begonnen. Die Marktüberwachung ist seit Anfang 2026 vollständig aufgebaut, und die Behörden haben den Auftrag, digitale Produkte und Dienstleistungen systematisch zu kontrollieren.
Mögliche Konsequenzen
Bei schweren oder wiederholten Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Die Höhe richtet sich nach der Schwere des Verstoßes und der Unternehmensgröße. Zusätzlich häufen sich Abmahnungen durch Verbraucherschutzverbände und spezialisierte Anwaltskanzleien. Die Kosten einer Abmahnung kommen zu den Anpassungskosten hinzu. Im schlimmsten Fall können Produkte und Dienstleistungen vom Markt genommen werden, bis die Barrierefreiheitsanforderungen erfüllt sind.
Für Büroleiter und IT-Verantwortliche erfordert die Durchsetzungsphase 2026 eine grundlegende Reorganisation. Wer jetzt noch keine Maßnahmen ergriffen hat, sollte dies umgehend nachholen.
Vorteile barrierefreier Websites – mehr als nur Pflichterfüllung
Barrierefreiheit ist nicht nur Pflicht, sondern bringt echte Vorteile. Du erreichst mehr Menschen und verbesserst gleichzeitig die Qualität deiner Website.
Größere Zielgruppe erreichen
In Deutschland leben rund 13 Millionen Menschen mit einer Behinderung oder altersbedingten Einschränkung. Eine zugängliche Website schließt niemanden aus und erschließt dir neue Kundengruppen. Gerade vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft wird dieser Faktor immer wichtiger.
Bessere Nutzererfahrung für alle
Klare Strukturen, verständliche Texte und intuitive Navigation helfen jedem Besucher. Eine barrierefreie Website ist automatisch eine benutzerfreundliche Website. Auch Menschen ohne Einschränkungen profitieren von gut lesbaren Texten und logischer Seitenstruktur.
SEO-Vorteile nutzen
Suchmaschinen lieben barrierefreie Websites. Sauberer Code, Alternativtexte und klare Überschriften verbessern dein Ranking bei Google. Barrierefreiheit und Suchmaschinenoptimierung gehen Hand in Hand. Was für Screenreader gut ist, ist oft auch für den Googlebot gut.
Wettbewerbsvorteil sichern
Gerade für mittelständische Unternehmen in Rheinland-Pfalz kann eine barrierefreie Website ein echter Differenzierungsfaktor sein. Du zeigst: Hier werden alle Kunden ernst genommen. Das stärkt dein Image als modernes, verantwortungsvolles Unternehmen.
So gehst du die Umsetzung jetzt an
Wenn deine Website noch nicht barrierefrei ist, solltest du keine Zeit mehr verlieren. Hier ist ein pragmatischer Fahrplan für die nächsten Wochen.
Sofort-Analyse durchführen
Lass deine aktuelle Website auf Barrierefreiheit prüfen. Automatisierte Tools geben erste Hinweise, erkennen aber nur etwa 30 Prozent der Probleme. Eine vollständige Prüfung durch Experten ist unverzichtbar, um alle Schwachstellen zu identifizieren.
Kritische Bereiche priorisieren
Beginne mit den größten Risiken. Kontraste, Tastaturnavigation, Alternativtexte und vor allem die PDF-Dokumente sollten zuerst angegangen werden. Diese Maßnahmen reduzieren das Abmahnrisiko am schnellsten und schaffen die Grundlage für weitere Verbesserungen.
Professionelle Unterstützung holen
Bei der aktuellen Rechtslage lohnt sich Eigenarbeit oft nicht. Professionelle Agenturen kennen die Anforderungen und können die Umsetzung effizient begleiten. So vermeidest du teure Fehler und sparst langfristig Zeit und Geld.
Kontinuierlich verbessern
Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt. Bei jeder neuen Seite und jedem Update sollten die Standards eingehalten werden. Schulungen für Mitarbeiter helfen dabei, das Thema nachhaltig im Unternehmen zu verankern.
Lokale Unterstützung aus Bad Kreuznach
Als Webagentur aus Bad Kreuznach kennen wir die Bedürfnisse regionaler Unternehmen in Rheinland-Pfalz. Wir helfen dir von der Analyse bis zur Umsetzung – praxisnah und verständlich. Ob du eine komplette Überarbeitung brauchst oder nur einzelne Bereiche optimieren möchtest: Sprich uns an, wenn du Fragen hast oder eine unverbindliche Beratung wünschst.
Fazit – Jetzt handeln statt abwarten
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist Realität, und die Kontrollen laufen. Wer seine Website noch nicht angepasst hat, riskiert Abmahnungen und Bußgelder. Doch Barrierefreiheit ist mehr als Pflichterfüllung – sie ist eine Investition in bessere Nutzerfreundlichkeit, höhere Reichweite und ein stärkeres Unternehmensimage.
Für mittelständische Unternehmen in Rheinland-Pfalz bedeutet das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zu handeln. Starte mit einer Analyse, priorisiere die kritischen Bereiche und hole dir professionelle Unterstützung. So machst du deine Website fit für die Zukunft – und erreichst alle Menschen, die sich für dein Angebot interessieren.
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